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Änderung der Bestattungskultur

Bevor ich unsere Vorstellungen für dieses Projekt schildere, möchte ich den allgemeinen Hintergrund der Anforderungen an das Bestattungswesen kurz beleuchten.

 

Diese Anforderungen und die gesamte Bestattungskultur haben sich  verändert. Früher gab es nahezu ausschließlich Erdbestattungen, oftmals mit besonders großen Grabstätten und aufwändigen Denkmälern.  Wunderschöne Gräber wurden so  von Generation zu Generation weiter gegeben. Oftmals demonstrierten sie zugleich den herausgehobenen sozialen und finanziellen Status der Familie des Verstorbenen.

 

Heute geht der Trend überwiegend in die entgegengesetzte Richtung. „Understatement“ ist angesagt, das Geld wird vorzugsweise für die Lebenden ausgegeben. Die Verstorbenen wünschen für sich selbst und ihre Angehörigen keine Erdbestattung in einem repräsentativen Grab, sondern eine unauffällige und schlichte Kremierung. Oftmals wird als Grund für eine weniger aufwändige Grabstätte auch angeführt, dass man nach seinem Tode niemandem zur Last fallen möchte und dass die Angehörigen über ganz Deutschland, manchmal sogar über den ganzen Erdball verstreut sind und die erforderliche Grabpflege jedenfalls nicht selbst leisten können.

 

Offenkundiger Nachteil dieses Wandels in der Bestattungskultur ist es, dass der Anteil wunderschöner Grabstätten zurückgeht, und dass die sparsamere Gestaltung der Grabstätten als Mangel an Pietät gegenüber den Verstorbenen gedeutet oder auch missdeutet werden kann. Aus Sicht der Friedhofsverwaltung hat diese Entwicklung freilich auch ihre Vorzüge, insbesondere wird weniger Platz für die einzelnen Grabstätten benötigt, so dass die knappe Friedhofsfläche besser genutzt werden kann. 

 

Einigen geht diese Entwicklung zu einer zurückhaltenderen Gestaltung der Gräber nicht weit genug. 

Sie halten den in Deutschland geltenden Bestattungszwang für altmodisch und verweisen auf Nachbarländer wie zum Beispiel die Schweiz und die Niederlande, in denen die Urne von den Angehörigen einfach mit nach Hause genommen werden darf.

 

Dieser Trend geht m. E. aber zu weit, und ich bin froh, dass der deutsche Gesetzgeber am Bestattungszwang festhält. Denn die Toten gehören niemandem. Unser Friedhof ist Ort der Trauer, der Erinnerung und der Besinnung – für alle. Trauernde Angehörige können den Verstorbenen nicht für sich allein beanspruchen, zumal nicht gewährleistet werden kann, dass tatsächlich pietätvoll mit den sterblichen Überresten umgegangen wird. Den Möglichkeiten des Missbrauchs oder auch der unabsichtlichen Verletzung der Würde des Verstorbenen wären hier keine Grenzen gesetzt. Man denke beispielsweise nur daran, dass auch die Angehörigen sterben und das Haus mit Urnen auf dem Kaminsims an neue Eigentümer übergeht. Sicher zu stellen, dass die Toten über etwaige Familienstreitigkeiten, religiöse, politische oder gesellschaftliche Grenzen und auch über den Tod der Angehörigen hinaus würdevoll behandelt werden, muss deshalb weiterhin Aufgabe des Friedhofs bleiben. Auf dem Friedhof kann man die Verstorbenen besuchen, so oft und so lange man möchte, aber die Trauer sollte auf dem Friedhof bleiben. Zu Hause in den eigenen vier Wänden kann man wieder sein Leben leben, ohne von der Urne auf dem Kaminsims ständig an den Tod eines geliebten Menschen oder die eigene Vergänglichkeit erinnert zu werden.

 

Auf dem Hintergrund dieser Überlegungen sind es vor allem zwei Anforderungen, denen die Friedhofsverwaltung sich stellen muss:

 

  1. Für diejenigen, die an der herkömmlichen Erdbestattung festhalten, muss diese Möglichkeit weiterhin eröffnet bleiben, gleichgültig, ob die einzelne Grabstätte aufwändig oder zurückhaltend gestaltet wird. Unser Friedhof soll neben einer würdevollen Begräbnisstätte, wo man gerne seine verstorbenen Angehörigen besucht, auch eine schöne Park- und Gartenanlage inmitten Westerlands werden, in der man sich gern abseits der Touristenströme aufhält, Freunde und Bekannte trifft, sich an der Blütenpracht erfreut, aber auch Ruhe und Besinnung findet.
  2. Für diejenigen, die dem neuen Trend zur unauffälligen und kostengünstigeren Bestattung folgen, müssen Wege gefunden werden, die ihnen die Verwirklichung ihrer Vorstellungen ermöglichen. Insoweit genügt es nicht, die Grabstätten zu verkleinern, zumal dem natürliche Grenzen gesetzt sind. Wir müssen neue Ideen entwickeln und umsetzen, die den Anliegen der Menschen Rechnung tragen, ohne die Gestaltung der Friedhöfe als würdevolle Stätten der Ruhe und Besinnung zu beeinträchtigen. Neben der geplanten Schaffung eines Urnengemeinschaftsfeldes – des Staudengartens – soll künftig die Bestattung unter Bäumen, ein „Friedwald“, ermöglicht werden.

 

Diese beiden Projekte stellen die größte und in den kommenden Jahren wahrscheinlich auch teuerste Maßnahme auf dem Westerländer Friedhof dar. 

 

Im Friedwald werden die Urnenaschen der Verstorbenen in bio-verrottbaren Urnen im Wurzelbereich der Bäume beigesetzt. Die Asche vergeht vollständig. Teilweise wird sie umgesetzt oder von den Wurzeln der Bäume aufgenommen. Der Name, das Geburts- und Sterbedatum des Verstorbenen werden auf einer Bronzetafel angebracht. Die Pflege der Anlage einschließlich der Pflanzung neuer, junger Bäume wird von den Friedhofsgärtnerinnen und -gärtnern übernommen. 

 

Eine Baumbestattung bietet viele Vorteile:

 

  1. Es fallen außer den Kosten der Bronzetafel nur die Kosten für die 20-jährige Ruhefrist an. Sämtliche Folgekosten einer Familienwahlgrabstätte entfallen ebenso wie Kosten für die Pflege der Anlage.
  2. Die Grabstätte wird unauffällig und unprätentiös gestaltet, trägt aber in ihrer Schlichtheit und Naturverbundenheit der Würde des Friedhofs in ihrer Art ebenso Rechnung wie aufwändig gestaltete herkömmliche Grabanlagen. 
  3. Dem Anliegen einer sparsamen Nutzung der vorhandenen Friedhofsfläche genügt die Bestattung unter Bäumen noch mehr als die Bestattung in möglichst kleinen herkömmlichen Grabstätten.
  4. Die mit der Baumbestattung verbundene Neupflanzung junger Bäume trägt dem Naturschutz Rechnung und fördert das Kleinklima der Stadt Westerland. Der Friedhof erhält – ohne Gefährdung seiner Würde –  einen gewissen Naherholungscharakter. Indirekt kann damit auch der Tourismus gefördert werden, so dass der Friedwald auch Anliegen der politischen Gemeinde Westerland entgegenkommt. 

 

Die geplante zurückhaltende Modernisierung des Bestattungswesens wird es der Kirche auch in Zukunft ermöglichen, den örtlichen Bedarf an Friedhöfen zu decken und damit die politische Gemeinde von der im Bestattungsgesetz vorgesehenen Pflicht zum Betreiben eigener kommunaler Friedhöfe freizustellen. 

 

 

 

Unsere Friedhöfe

 

Unsere Friedhöfe in Westerland verändern sich, ebenso wie viele andere Friedhöfe in Deutschland. Diese Veränderungen sind vor allem einem Wandel der Bestattungskultur geschuldet. Früher gab es nahezu ausschließlich Erdbestattungen, die mit einem hohen Flächenverbrauch einhergegangen sind. Zusätzlich demonstrierten Familien mit besonders großen Grabstätten und aufwändigen Denkmälern ihren sozialen und finanziellen Status. Diese teilweise wunderschönen Gräber wurden von Generation zu Generation weiter gegeben. Heute geht der Trend eher in die entgegengesetzte Richtung. „Understatement“ ist angesagt, das Geld wird vorzugsweise für die Lebenden ausgeben. Oft sind die Angehörigen gar nicht mehr in ihrer Heimatstadt zuhause, sondern über ganz Deutschland, manchmal sogar über den ganzen Erdball verstreut. Sie wünschen sich für sich selbst und ihre Angehörigen keine Erdbestattung in einem repräsentativen Grab, sondern eine Kremierung. Ein weiterer Vorteil, die Urne braucht nicht viel Platz, ein kleines Urnengrab, 1m x 1m ist völlig ausreichend.  Manche Menschen möchten sogar überhaupt kein Grab mehr, sondern z.B. eine Seebestattung, oder sie lassen die Urnenasche zu einem Diamanten pressen oder die Urne ins Weltall schießen. Viele Menschen, insbesondere ältere möchten niemanden zur Last fallen, auch über ihren Tod hinaus nicht: „aber meine Kinder wohnen ja gar nicht mehr auf der Insel, wer soll sich denn um das Grab kümmern“, sind gängige Argumente gegen eine Beisetzung im herkömmlichen Sinne. Ich werde oft gefragt, warum man in Deutschland immer noch an dem vermeintlich altmodischen Bestattungszwang festhalte, während in unseren Nachbarländern wie zum Beispiel der Schweiz und den Niederladen die Urne von den Angehörigen einfach mit nach Hause genommen werden darf. Ich versuche diesen Menschen auf der Basis meiner langjährigen Berufserfahrung die Argumente der deutschen Gesetzgebung nachvollziehbar zu machen. Denn die Toten gehören niemanden. Unser Friedhof ist Ort der Trauer, der Erinnerung und der Reflexion – für alle. Trauernde Angehörige können den Verstorbenen nicht für sich allein beanspruchen – nicht zuletzt weil dadurch nicht gewährleistet werden kann, dass tatsächlich pietätvoll mit den sterblichen Überresten umgegangen wird. Den Möglichkeiten des Missbrauchs wären hier keine Grenzen gesetzt, wenn etwa auch die Angehörigen sterben und dann das Haus mit Urnen auf dem Kaminsims an neue Eigentümer übergeht, um nur ein Beispiel zu nennen. Sicher zu stellen, dass die Toten über etwaige Familienstreitigkeiten, religiöse, politische oder gesellschaftliche Grenzen und auch über den Tod der Angehörigen hinaus würdevoll behandelt werden, ist Aufgabe des Friedhofs. Ein weiterer Vorteil eines Friedhofs ist es meiner Meinung, dass man die Verstorbenen besuchen kann so oft und so lange man möchte, aber die Trauer sollte auf dem Friedhof bleiben und zu Hause in den eigenen vier Wänden kann man wieder sein Leben leben, ohne von der auf dem Kaminsims stehenden Urne ständig an den Tod eines geliebten Menschen oder die eigene Vergänglichkeit erinnert zu werden. Um all diesen Ansprüchen möglichst gut entsprechen zu können, hat die Evang. Luth. Kirchengemeinde, die die Trägerschaft für den Alten und den Neuen Friedhof in Westerland innehat, bereits 2015 ein Gutachten in Auftrag gegeben. Die Ergebnisse liegen nun vor. Ich, der neue Friedhofsverwalter, Johannes Sprenger, Nachfolger des langjährigen Verwalters Hr. Andreas Olesen, der sich 2016 in den Ruhestand verabschiedet hat, bin nun damit beauftragt, die Ergebnisse umzusetzen. Es freut mich außerordentlich, dass ich nun als neuer Verwalter die Möglichkeit geboten bekomme, die Westerländer Friedhöfe zu verschönern und den veränderten Ansprüchen gerecht zu werden. Gerne möchte ich Sie in den folgenden Ausgaben unseres Gemeindebriefs „Niels“ mitnehmen und über die neuesten Entwicklungen und Bauprojekte, neue Bestattungsformen und Veränderungen auf unseren Friedhöfen auf dem Laufenden halten. Unser Friedhof soll neben einer würdevollen Begräbnisstätte, wo man gerne seine verstorbenen Angehörigen besucht auch eine schöne Park- und Gartenanlage in Mitten von Westerlands werden, wo man gerne hingeht um Abseits der Touristenströme Zeit zu verbringen, Freunde und Bekannte zu treffen und sich an der Blütenpracht zu erfreuen. Die größte und in den kommenden Jahren wahrscheinlich auch teuerste Maßnahme auf dem Westerländer Friedhof wird die Schaffung eines neuen Urnengemeinschaftsfeldes kombiniert mit Baumbestattungen sein. Viele Menschen kennen eine Baumbestattung auch unter dem Namen „Friedwald“. Diese Bestattungsform gibt es bislang auf der Insel Sylt nicht. Bei dieser Bestattungsform werden die Urnenaschen der Verstorbenen in bio-verrotbaren Urnen im Wurzelbereich der Bäume beigesetzt, die Asche vergeht vollständig, sie wird teilweise umgesetzt oder von den Wurzeln der Bäume aufgenommen. Viele Hinterbliebene erfreuen sich an dem Gedanken, dass das Leben nicht zu Ende ist sondern die Seele des Menschen in einem anderen Körper oder einer anderen Form weiterlebt. Dies soll der Baum versinnbildlichen, deshalb werden junge Bäume gepflanzt, die wachsen und gedeihen können und selbst alt werden dürfen. Eine Baumbestattung hat den Vorteil für die Hinterbliebenen, dass sämtliche Folgekosten einer Familienwahlgrabstätte entfallen. Bei der Beisetzung werden einmalig die Kosten für die 20 jährige Ruhefrist bezahlt. Der Name, das Geburt.- und Sterbedatum des Verstorbenen werden auf einer Bronzetafel angebracht. Die Pflege der Anlage wird von den Friedhofsgärtnern übernommen. Für die, die es gerne etwas bunter haben wollen, wird zusätzlich ein aufwendiger Staudengarten geschaffen, der die Bestattungsbäume in der Anlage einfassen wird. Hier werden Pflanzpläne der engl. Gartenarchitektin Beth Chatto umgesetzt. Der Friedhof Westerland wird damit auch dem Wunsch der politischen Gemeinde gerecht weiterhin würdige Bestattungen anzubieten, gleichzeitig aber dem Naturschutz Rechnung zu tragen, das Kleinklima in der Stadt Westerland zu fördern und den Tourismus und Naherholungscharakter des Friedhofs zu fördern.

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