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St. Nicolai

Die Geschichte von St. Nicolai in Westerland auf Sylt

Seit dem 16. Jahrhundert schlummerte das kleine Friesendorf Westerland an der Westküste der entlegenen Insel Sylt. Die Menschen lebten von dem, was der kärgliche Boden und das Meer hergaben. Mitte des 17. Jahrhundert entdeckten die Sylter die Seefahrt – zunächst für 150 Jahre den Walfang, ab Beginn des 19.Jahrhunderts die Handelsschifffahrt. Nachdem 1855 das Seebad Westerland gegründet worden war, entwickelte sich allmählich und in bald zunehmendem Tempo ein neuer, äußerst erfolgreicher Wirtschaftszweig für die Einheimischen: der Fremdenverkehr. Waren es anfangs vor allem Kurgäste, die Förderung und Stärkung ihrer Gesundheit suchten –viele betuchte und prominente Persönlichkeiten -, öffnete sich das Bad mit Beginn des 20. Jahrhunderts immer mehr dem allgemeinen Fremdenverkehr. Eine erste Blüte erlebten Sylt und Westerland in den Zwanzigern. Sehr bald nach dem Zweiten Weltkrieg stiegen die Besucherzahlen wieder rasant an. Heute zählen die jährlichen Übernachtungen nach Millionen.

  • Alte_Glocken
  • Ansicht Vorderseite
  • Apsis
  • Chororgel
  • Eingangsbereich
  • Gesamtansicht_Titel
  • Großer_Leuchter
  • Kemper-Orgel
  • Seitenfenster

Seit 1637 besaß Westerland eine kleine Kirche etwas abseits vom heutigen Stadtzentrum. Schon um 1880 mehrten sich die Klagen, diese Kirche sei viel zu klein, um alle Gläubigen aufzunehmen – namentlich in der damals noch kurzen Sommersaison. Nachdem dann für die katholischen Badegäste extra eine eigene Kirche gebaut worden war, gab man im preußischen Berlin dem Drängen der Sylter nach und genehmigte den Bau einer neuen, großen evangelischen Kirche für das Stadtzentrum. Viele Spenden wurden dafür gegeben. Aus dem ganzen Deutschen Reich kamen Gönner, dem Neubau aufzuhelfen. Am 10. Juni 1908 wurde die Kirche, mit damals 750 Sitzplätzen die größte in ganz Nordfriesland, nach zweijähriger Bauzeit geweiht. Zunächst die „neue Kirche“ genannt, hieß sie nach Einweihung des Dammes zur Insel die „Kirche am Reichsbahnhof“. Heute wird sie als Stadtkirche          St. Nicolai bezeichnet – die Kirchbauten in Westerland tragen seit dem 16. Jahrhundert auch als evangelische Sakralstätten den Namen des heiligen Nikolaus, Schutzpatron u. a. der Reisenden und Seeleute. Aus alten Aufzeichnungen wissen wir, dass St. Nicolai, die Stadtkirche, über viele Jahrzehnte zumindest im Sommer sonntags immer gefüllt war.

Nach Weltkriegen und Nachkriegsnot begann man 1962, die doch inzwischen stark gebrauchte Kirche zu renovieren. Die Arbeiten dauerten über ein Jahr.  Man entschied sich für eine radikale Neugestaltung nach damals als modern empfundenen Grundsätzen. Die überkommenen Holzschnitzwerke und eine reiche Bildornamentik wurden verbannt. Dadurch verlor die Kirche ihren vorher sehr ausgestalteten, etwas düster wirkenden Charakter. Sie bekam eine äußerst nüchterne Innenausstattung und Farbgebung, die für einen durch das Spiel des Sonnenlichtes in den bunten Fenstern hervorgerufenen ganz eigenen Charme sorgt.

Die Fenster sind Arbeiten des Ahrensburger Glaskünstler Siegfried Assmann. Raumbeherrschend leuchtet das Mosaikband über dem Altar, das Passion und Ostergeschichte darstellt. Es durchbricht die Formgebung der Apsis – ganz so, wie das Geschehen um Jesus Christus die menschlichen Vorstellungen vom Heil Gottes durchbricht: zu Kunst gewordene Theologie der damaligen Jahre. Die Fenster  in der Südseite des Kirchenschiffes zeigen Jesusgeschichten, die in der Nordseite illustrieren Gleichnisse des  Predigers aus Nazareth.

Der uralte Taufstein – bei genauerem Hinsehen erkennt man zwei Teile – ist unbekannter Herkunft. Er hat bereits in St. Niels und wahrscheinlich auch in der im Meer nach 1634 versunkenen ersten Nicolaikirche im Dorf Eydum gestanden.

Die beiden Leuchter stammen aus der Anfangszeit der Kirche. Der vordere große Leuchter ist die Stiftung eines Westerländers „aus Dankbarkeit für die große Güte Gottes“ – übrigens nach einem langen, leidvollen Leben gegeben…

Die große Orgel der Kirche besitzt 36 Register und ist eine der wenigen noch recht gut erhaltenen Instrumente der Firma Kemper. Sie besitzt einen vollen Klang.

1991 bekam St. Nicolai eine Chororgel der Firma Neuthor dazu. Sie besitzt sieben Register und belegt die hohe Wertschätzung der Kirchenmusik, die in der Gemeinde seit Jahrzehnten gepflegt wird. Seine Existenz verdankt das Instrument dem ehemaligen Kirchenmusiker H.-M. Padel, der den Bau initiert und durch jahrelange Spendensammlung großenteils auch finanziert hat.

2006 erneuerte die Gemeinde die Glocken der Kirche. Die alten gusseisernen mussten nach 80 Dienstjahren entfernt werden. Sie stehen heute vor der Kirche. Seither klingt ein vierstimmiges Geläut im Turm.

Durch die Glockenerneuerung – die Glocken waren innerhalb des Turmes aufgezogen worden - wurde eine Neugestaltung des Eingangsbereiches nötig, der überdies seit der großen Renovierung 1962/1963 wenig einladend gewirkt hatte. Die alten Pfeiler, die die Orgelempore tragen, wurden dabei aus ihrer Rotsteinummantelung befreit. Mit den Glastüren des Keitumer Künstlers Hans-Jürgen Westphal, die die Schöpfungsgeschichte darstellen, verbindet sich so die alte mit der jüngsten Baugeschichte der Kirche.

Die Ornamente an den Emporen zeigen verschiedene, auch religiöse Motive. Auch das Westerländer Stadtwappen ist einmal zu sehen. Unter der Empore an der Nordseite findet sich ein Werk der Meerbuscher Künstlerin Angelika Kasching, die „Tür zum Leben“.

Text: Christoph Bornemann

Hier findenSie unseren Kirchenflyer

 

Die Kirche ist außer mittwochs täglich von 9-16 Uhr geöffnet.

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