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St. Niels © Niklas Boockhoff

Die Geschichte der alten Dorfkirche St. Niels

Der christliche Glaube mag vor neunhundert  Jahren seinen Weg auch nach Sylt gefunden haben, genaue Quellen gibt es dazu nicht. Im 12. Jahrhundert gehörte das Gebiet zum Bistum Schleswig. Auch war die Insel damals noch keine: erst etliche große und verheerende Sturmfluten sorgten für die heutige Gestalt des Eilandes. Einen besonderen Schutz der Küsten gab es in alter Zeit nicht.

Neben den beiden Hauptorten Morsum und Keitum mit ihren alten, großen Kirchen gab es im Westen von Sylt ein Nicolaikirchspiel, zu dem die Siedlungen Wynnistede (Wenningstedt), Rantum, Eydum (Eidum) und Wiserum gehörten. Überall feierte man nach katholischem Ritus.

St. Niels © Niklas Boockhoff

Die Reformation kam als Werk des dänischen Königs auf die Insel. Um 1550 wurde überall auf Sylt lutherisch gepredigt – auch im Dorf Eydum, das auf einer Düne am Meer ein kleines Kirchlein besaß. Dort hatten  sich die Menschen des Kirchspiels lange zum Gottesdienst getroffen.

Die Burchardiflut im Oktober 1634 vernichtete das Dorf Eydum, verschonte aber das dortige Kirchlein: es brach erst später baufällig in sich zusammen und wurde abgerissen. Die überlebenden Einwohner siedelten nun endgültig abseits vom Meer in der Tinnumer Feldmark Westerlöön (Westerland). Bald suchten sie nach Ersatz für ihr verlorenes Gotteshaus und beschlossen den Bau einer Kirche im Dorf.

Für die damals recht arme Bevölkerung stellte der Neubau selbst einer sehr kleinen Kirche eine immense Aufgabe dar. Folgerichtig kam es darüber zum Streit: die Wenningstedter verweigerten ihre Beteiligung daran und schlossen sich (bis 1990!) der Gemeinde in Keitum an.

  • Altar Hauptteil
  • Altar ganz
  • Außenansicht
  • Kanzel
  • Kruzifix
  • Taufe-1

 

Die neue Kirche wurde 1637 geweiht. Sie war zunächst nur gut halb so groß wie heute. Viel Material, etwa Granitblöcke für die Nordwand, und etliches Inventar der alten Kirche wurden nach „St. Niels“  gebracht – Niels ist die norddeutsche Kurzform von Nikolaus, des Schutzpatrons auch der Seeleute. Die alte Glocke, der Altaraufsatz und ein Prozessionskreuz über dem Altarraum erinnern an die Zeit der Eidumer Kirche.

Mitte des 17. Jahrhunderts begann die große Zeit des Walfanges. Viele Familien kamen zu Wohlstand und auch Reichtum dadurch, dass fast alle Männer schon mit sehr jungen Jahren auf die Walfangschiffe gingen. Um 1780 gab es rund 150 Kapitäne auf der Insel, die mit der ebenso lebensgefährlichen wie  lukrativen Jagd Reichtum nach Sylt brachten – viele alte Häuser erzählen bis heute von dieser Zeit.

Mit dem Reichtum wuchs die Bevölkerung. Die kleine Kirche St. Niels musste im frühen 18.Jahrhundert gleich zweimal auf ihre etwa heutige Größe erweitert werden.  1789 erfuhr das mittlerweile gefährlich abgenutzte Gotteshaus nach langem Streit eine grundlegende Sanierung. Eine Gedenktafel in der Wand über der hölzernen Taufe und die Stiftung einer Sonnenuhr an der Südseite der Kirche erinnern daran. Um 1800 ging die Walfangzeit zu Ende. Sylter Seeleute verlegten sich nun auf die Handelsschifffahrt.

1827 wurde die erste der sechs Predigertafeln in die Kirche gehängt. Die Tafeln geben bei aufmerksamer Beobachtung interessante Details zur Geschichte der Gemeinde preis.

Einen Turm besaß St. Niels lange nicht. Die alte Glocke aus Eidum war in einem hölzernen Glockenstapel untergebracht. Siebenmal musste der erneuert werden, bis man 1840 ein kleines Glockentürmchen aus Stein vor die Kirche setzte – unnützerweise, denn 1875 entschloss man sich zum Bau des heutigen Turmes, in dem dann auch die kleine Orgel mit 14 Registern der Firma Markussen Platz fand. 1967 überarbeitete Firma Kemper das Instrument.

Nachdem  1908 der Bau der neuen Kirche am Bahnhof fertiggestellt war – sie ist Ausdruck des Aufstieges der Stadt Westerland seit 1855 als Kur- und Badeort -, geriet die kleine Kirche im alten Dorf etwas aus dem Blick. Um sie wieder ins Bewusstsein der Gemeinde zu heben, fand 1938 die letzte große Umgestaltung von St. Niels statt, mit der sie ihr heutiges Aussehen erhielt. St. Niels wird seit Mitte der 60er Jahre für viele kleine Gottesdienste, Konzerte und Kasualien als Perle mitten im Herzen von Alt-Westerland genutzt. Sie gilt vielen Einheimischen als Seele ihres Ortes.

Der Altar ist der Blickfang für alle Besucher der Kirche. Er stellt die Krönung der Maria durch den auferstandenen Christus dar und wurde etwa um 1475 vermutlich in Lübecker Tradition hergestellt. Es ist nicht bekannt, auf welchen Wegen das Altarretabel nach Sylt kam. Wahrscheinlich stand das Kunstwerk schon in der alten Eidumer Kirche. Neben den Aposteln in den Flügeltüren sind zwei Bischofsfiguren eingebracht: links der Hl. Nikolaus, Namensgeber des Gotteshauses und der Gemeinde, rechts der Hl. Dionysius, einer der 14 katholischen Schutzheiligen. Viele Jahre nahm die lutherische Gemeinde keinen Anstoß an diesem katholischen Motiv. Aber als mit dem Aufstieg zum Seebad auch viele katholische Badegäste die Insel besuchten, sorgten strenge lutherische Pastoren dafür, dass der Altar 1892 mit einem Bild vom Seewandel des Petrus überdeckt wurde – bis 1925 blieb es dort… Das Retabel wurde im Laufe seiner langen Geschichte mehrfach farblich neu gestaltet. Eine aufwendige Restaurierung wurde 2018 abgeschlossen.

Über der Apsis findet sich ein Prozessionskreuz ebenfalls unbekannter Herkunft. Das Kreuz stammt etwa aus dem 14. Jh., der Christuskörper ist wohl etwas jünger. Dass das Kruzifix einmal für Prozessionen gedacht war, zeigt der Tragezapfen am unteren Ende. Auch dieses Stück dürfte aus der Vorgängerkirche nach St. Niels gekommen sein.

Die hölzerne Kanzel stammt aus dem Jahr 1751. Wer sie erbaut und bemalt hat, ist nicht bekannt. An ihrer Seite findet sich der Nachbau einer alten Sanduhr nach alten Originalteilen. Solche Uhren halfen seit dem 17. Jh. in vielen Kirchen, die Dauer der Predigt auf eine Stunde zu begrenzen.

Die hölzerne Taufe mit Deckel ist eine Leihgabe der Gemeinde Neugalmsbüll bei Niebüll. Nachdem der romanische Taufstein 1908 in die neue Kirche versetzt wurde, kann seit 1988 wieder in St. Niels getauft werden.

Wenig ist über die Herkunft und Geschichte der Kronleuchter der Kirche bekannt. Das altarseits aufgehängte Stück stammt aus dem Jahr 1682, eine Stiftung genauso wie der zweite Leuchter, der um 1885 der Gemeinde geschenkt wurde.

Nahe des Einganges der Kirche findet sich ein Marmorepitaph mit englischer Inschrift, der an den tragischen Schiffbruch eines ursprünglich Bremer Kaufmannssohnes erinnert. Entgegen anderer übler Praxis wurde dieser Tote ordnungsgemäß bestattet und seine Familie benachrichtigt. Die setzte Jahrzehnte später diese Tafel. Bemerkenswert ist, dass die Schiffsglocke der „Lutine“ bis heute bei der Versicherungsgesellschaft Lloyds den Verlust eines Schiffes vermeldet…

An der Südseite der Kirche finden sich alte Grabsteine, die z. T. noch aus dem frühen 16. Jahrhundert stammen. An der Ostmauer lehnen große Grabmäler von Angehörigen bedeutenden Sylter Familien.

Text: Christoph Bornemann

Hier findenSie unseren Kirchenflyer


Die Kirche ist täglich von 10-16 Uhr geöffnet.

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